#Zeitzeuge

Paulina Artavia Schuster (Klasse 7c) berichtet von ihrem Leben in Zeiten von Corona:

Auszüge aus meinem Tagebuch zur Corona-Zeit:

Freitag, 13.03.2020

Hallo!

Es gibt viel zu erzählen und ich will, da ich jetzt Zeitzeugin von so einem Ereignis bin, alles ungefähr so wiedergeben, wie ich es mitbekomme.

Heute war noch Schule, in der ersten Pause kam meine Schwester Joanna auf mich zugerannt und hat erzählt, dass die Schulen tatsächlich geschlossen werden, sie hatten in Mathe Tagesschau gesehen, wo es verkündet wurde. Am Anfang fand ich es einfach nur witzig und absurd, später erst in Musik kam die Erkenntnis, dass wir jetzt wirklich alle 5 Wochen zu Hause festsitzen werden. Wir werden in den Sommerferien ziemlich wahrscheinlich nicht nach Costa Rica zu meiner Familie fliegen, alle Konzerte von Querflöte werden abgesagt und ich habe Angst um meine Großeltern. Meine Cousins werde ich dann auch erst in zwei Jahren wiedersehen, sie sind dann einfach schon 6, 8 und 9. Letztes Mal als ich da war, waren sie 2, 4 und 5... All diese Sachen sind nach und nach durchgesickert und ich fand es überhaupt nicht mehr so lustig. Wir müssen Ostern und Joannas Geburtstag alleine feiern und was bei Oma und Opas Goldener Hochzeit sein soll, weiß ich auch nicht. Man soll seine Großeltern ja nicht besuchen. Das wird so langweilig und traurig!

Ich habe mir in der 2. Pause gleich 6 Bücher ausgeliehen und in der Aula heben mich alle blöd angeschaut, aber ich muss ja irgendwie die Zeit totschlagen.

Es hat sich sehr seltsam angefühlt, als ich dann nach Mathe-Jam die Aula verlassen habe. Der Tanzkurs war noch dort und ich hatte das Gefühl, dass sich irgendetwas sehr geändert haben wird, wenn wir alle zurückkehren, wer weiß, was bis dann alles passiert ist. So seltsam war das, als ich dann mit meinen Chucks, der Latzhose, dem karierten Hemd und einem Stapel Bücher unter dem Arm nach Hause geschlurft bin. Ich kann es nicht beschreiben, aber es war so ungewohnt. Dann habe ich mich mit Mia und Jana getroffen, wir wollen uns in diesen Nicht-Ferien so oft wie nur möglich treffen.





Sonntag, 15.03.2020

Hallo!

Gestern wurden sämtliche Museen, Bibliotheken und viele Geschäfte geschlossen. Auch das Schwimmbad hat zu, sodass ich nicht zum Training gehen kann. In Spanien dürfen die Leute das Haus gar nicht mehr verlassen. Ich bin gespannt, wie lange wir uns noch frei bewegen dürfen. Gestern war ich mit Jana joggen, diesmal aber nur fünf Kilometer. Dann war ich mit ihr und Mia im Thalia und Mia hat ein Buch gekauft, was ich auch lesen will.

Heute kommt Anna in ein bis zwei Stunden. Und sonst? Ich spiele mit Jana und meiner Mutter „Splendor“ bis zum Umfallen und ich habe schon Schulsachen gemacht.

Am Abend:

Ansonsten ist mir todlangweilig, ich habe Charaktere von Das schwarze Auge erstellt, war spazieren und habe Querflöte gespielt.

Tut mir Leid, wenn ich in letzter Zeit nicht so viel schreibe, oder nur, was ich gemacht habe, denn es passiert gerade einfach nichts Spannendes.





Montag, 16.03.2020

Hallo!

Jetzt würde vor acht Minuten die Schule angefangen haben. Es ist schon ein seltsames Gefühl, alles Schulzeugs zu Hause zu machen und, wenn man aufwacht, keine Leute zur Schule laufen zu sehen. Und das für drei Wochen! Obwohl erst Montag ist, bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ich mich in die Schule zurücksehnen werde, nicht wegen dem Lernen, sondern eher, weil ich wieder andere Gesichter sehen will.

Am Abend:

Heute war so schönes Wetter! So richtig Frühling eben. Ich habe „Splendor“ gespielt (und dabei fast immer verloren :-( ), war bei Janas Kaninchen und habe Nachmittags mit ihr und Joanna ein Picknick im Wiesengrund gemacht. Eigentlich sollte ich ja Schulkram machen, aber irgendjemand hat mebis gehackt und jetzt kommt keiner mehr rein. Abends habe ich mit Nina und Jana einen Film geschaut.





Mittwoch, 18.03.2020

Hi!

Puh, wir alle hoffen, dass in Deutschland keine Ausgangssperre verhängt wird. NOCH darf man raus. Die Lehrer überhäufen uns mit Aufgaben, in Französisch habe ich zwei ganze Doppelseiten vollgeschrieben! Dann kommt noch Mathe, Englisch, Geo, Geschichte... Puh! Ich drehe durch!

Wir streiten uns gefühlt den ganzen Tag, aber ich treffe mich noch mit Jana und Mia, heute haben wir wieder Picknick gemacht. Es war so schön warm! Ich schwöre dir, wenn diese Ausgangssperre ist, bin ich der einsamste Mensch im Universum. Ohne meine Freunde werde ich verrückt!

In Deutschland gibt es jetzt 10.000 Infizierte, von denen es nachgewiesen ist, wie viele es inoffiziell sind, weiß man nicht, Forscher gehen von einer Zahl zwischen 35.000 und 70.000 aus. Wie schlimm das alles gewesen sein muss, als die Pest ausgebrochen ist! Die Ärzte hier warten nur noch auf das Chaos, bis sie zum Umfallen arbeiten müssen. Ich glaube nicht, dass die Schulen so bald wieder geöffnet werden. Ob die Pandemie noch lange dauern wird? Vielleicht geht es noch mehrere Jahre. Allein bei der Vorstellung... Den ganzen Sommer kein Schwimmbad, keine Leute, keine Freunde treffen. Praktisch abgeschnitten von der Welt da draußen, weil keiner hinaus darf.

Hoffen wir nur, dass meine Großeltern hier und in Costa Rica heil davonkommen. Und meine Ur-Oma.

Das war's mit dem Flötenkonzert. Das war's mit dem Quartett. Wenn es kein Sommerfest geben wird, war's das mit dem Sommerkonzert und dem Orchester. Jana, Anna-Lena und ich werden nicht im Partnerlook auftreten. Das war's mit ALLEM eigentlich. Die Menschen decken sich mit Einkäufen ein, einige machen Panik. Ich werde viele Leute lange Zeit nicht wiedersehen. Noch ist das vielleicht aufregend für ein 13-jährigen Mädchen wie mich, aber ich habe keine Ahnung wie lange noch. Ich habe ein ganz mieses Gefühl. Wie gut, dass ich so viele Bücher ausgeliehen habe! Sonst sterbe ich hier, wenn Ausgangssperre ist. Meine Mutter denkt, dass die uns ab Montag einsperren, heute ist Mittwoch. Oh je. Ja, super, dann können wir Anne-Frank Stimmung hautnah miterleben. Ich glaube es wird viel schlimmer, als ich dachte. Was soll ich nur tun? Es wird doch Frühling! Da kann man doch nicht im Haus warten, bis man verrottet!





Sonntag, 22.03.2020

Erinnerst du dich, dass ich gesagt habe, ab Montag sperren die uns ein? Freitag kam schon die Nachricht: Ab 24 Uhr schon am selben Tag ist Kontaktverbot! Jana, Mia und ich haben uns noch einmal getroffen. Es war so komisch, als wir uns von Mia verabschiedet haben. Wer weiß, wann wir sie wiedersehen... Jana und ich haben noch eine Ehrenrunde „Splendor“ gespielt, dann haben wir bei Nina noch Star Wars zwei und drei geschaut. Mit Jana bin ich raus, wir haben uns verabschiedet und dann war ich alleine. Für die nächsten 3 Wochen ohne Freunde. Oh je. Jetzt darf man nur noch als Familie raus, aber immerhin spazieren gehen und Sport machen! In Italien sind gestern 800 gestorben und die Pfleger mussten teilweise entscheiden, wer eine Atemmaske bekommt und wer stirbt. Schrecklich. Erst war die Sperre nur in Bayern, ab heute in ganz Deutschland. Hier gibt es bisher 21.800 getestete Fälle. Wir haben aber heute gleich per Skype eine DSA- (Das Schwarze Auge) Runde gespielt, Mia, Jana, Joanna und ich. Wir skypen jeden Tag und ich hänge im Schulplan etwas hinterher :-( Ich habe einfach keine Lust. Ob die Schule dieses Jahr noch aufmacht?

Als ich heute Flöte gespielt habe, da habe ich mich gefragt, ob dieses Orchesterstück überhaupt jemals von uns gespielt werden wird? Ich fände es schade, wenn wir es niemals spielen würden... Ich übe immer, aber... es fühlt sich so umsonst an. Wird es nach dieser Zeit je wieder so sein wie zuvor??? Ich weiß es nicht.





Donnerstag, 26.03.2020

Hallo!

Ich mache den ganzen Tag praktisch nichts außer Schulsachen und DSA. Wir haben eine Gruppe von DSA gegründet. Ansonsten ist mir todlangweilig. Man muss in den Supermärkten immer mindestens 2 Meter Abstand halten, die meisten Länder haben so gut wie alles dicht gemacht, nur Schweden noch nicht. Es gibt bei uns jetzt 40.000 Infizierte, allein in New York sind es allerdings schon 20.000!

Bei uns zuhause ist die Stimmung aber überhaupt nicht so schlimm, wie ich dachte. Noch ist es auf jeden Fall auszuhalten. ;)





Freitag, 27.03.2020

Ich fühle mich scheiße und ich vermisse meine Freunde!!! Ich will sie sehen, nicht nur per Skype, ich will endlich wieder in mein normales Leben zurück! Den ganzen Tag ist mir todlangweilig. Ich mache NICHTS, jeder Tag sieht gleich aus und ich werde immer fauler. Aber es gibt nichts zu erzählen. Was sollte es auch geben?





Donnerstag, 02.04.2020

Gerade kam eine Mail vom ASG, wo unter anderem Zeitzeugenberichte gesucht werden. Gut dass ich schon angefangen habe, alles in mein Tagebuch aufzuschreiben! Das passt ja super!

Es fühlt sich komisch an, den ganzen Tag nur hier herumzusitzen, Hausaufgaben zu machen und zu skypen. Meine Mutter besteht darauf, dass wir alle einmal am Tag rausgehen, spazieren gehen und Sport machen.

Die Stimmung wird schlimmer, wir sind schlecht gelaunt und kriegen uns bei jeder Kleinigkeit in die Haare. Wirklich, ich vermisse meine Freunde so sehr und deswegen ist für mich die 1.5 Stunden Skype täglich die schönste Zeit. Ich will meine Freunde sehen! Oft verkrieche ich mich nach einer Streiterei in meinem Bett und versuche einfach, alles zu vergessen, aber ohne meine Freunde gehe ich nach und nach ein! In Deutschland gibt es jetzt über 70.000 Infizierte...





Freitag, 03.04.2020

Hallo!

Gestern Abend saß unsere ganze Familie zusammen auf dem Sofa und wir haben Tagesschau geschaut. Wirklich, es ist so schlimm! In USA gibt es 5 Mio. Arbeitslose, die wegen Corona ihre Arbeit verloren haben und die EU plant eine Schuldensumme von 100 Mill. € (!!!) auszugeben. Na ganz toll, ja, vielleicht brauchen wir das Geld, aber es ist eben vermutlich das Geld von zukünftigen Generationen. Ich bin eigentlich nicht die Person, die sich Sorgen um Geld macht, weil es mir egal ist. Man kann auch genauso gut mit wenig Geld leben. Ich habe aber vor allem ziemlich Angst vor der Zeit, wenn die Schule wieder losgeht, das wird so unglaublich stressig. Oh Mann, und ob sie die Ferien im Sommer verkürzen wird auch schon diskutiert. Das wäre so unfair! Ich werde meine Familie in Costa Rica sowieso nicht besuchen können. Statt in Costa Rica am Strand, bei meiner Familie, säße ich dann in der Schule. Wir machen ja hier schon Home Office und ganz toll ist das auch nicht. Das können die doch nicht machen!

Ich glaube, Ostern wird dieses Jahr sehr traurig werden. Normalerweise würden wir zu Oma und Opa fahren, und mit unseren kleinen Cousinen/Cousin spazieren gehen, „weil der Osterhase sonst nicht kommt.“ Und Joanna hat ja an Ostern Geburtstag.





Sonntag, 05.04.2020

Es ist so schlimm! Wenn wir ab jetzt immer Tagesschau gucken, wird mir immer mehr bewusst, WIE schlimm alles ist. Und auch wie krass gut wir es noch haben. Arme Länder und Menschen haben ein großes Problem. Sie haben nicht genug medizinische Versorgung. Die Lebensbedingungen der Menschen sind dort sowieso schon schlecht. Auch jüngere Menschen sterben, alles geht viel zu schnell. Sie können keinen Abschied nehmen, es gibt viel mehr Vorerkrankungen als hier, und die Menschen leben so dicht zusammen, dass ein einziger Fall sich rasend schnell verbreiten wird. Hier haben wir wahrscheinlich genug Atemmasken für alle, aber dort... Ich will gar nicht darüber nachdenken.

In den USA ist es besonders schlimm, die Beerdigungsinstitute quellen über, Verwandte dürfen nicht zu Beerdigungen gehen, es liegen in Massen Tote in Kühlungs-LKWs. Ich finde es auch scheiße schlimm mit den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln! Das ist nur ein Ort von vielen, aber dort sind so viele Menschen und unbegleitete Kinder auf einem so dichten Raum, dass es katastrophal enden kann. Endlich passiert dort etwas, aber verdammt wenig: NUR Luxemburg nimmt ein paar Dutzend Leute auf. Diese doofen deutschen Politiker sagen, dass sie erst Menschen aufnehmen, wenn andere aus der EU es auch tun. Leute, seid ihr blind?! Es geht nicht um ein Strategie-Spiel oder sowas, vergesst doch EINMAL im Leben euer Geld und rettet LEBEN! Deutschland hat genug Platz! Wir müssen helfen, bevor es zu spät ist. Das macht mich so wütend! Hier: Tausende Vorsichtsmaßnahmen. Und was passiert dort? „Ach, uns doch egal!“ (?!) Wir sind doch alle Menschen, ist das denn so schwer zu verstehen? Jedes Leben, das wir retten, zählt, egal, ob das jetzt Deutsche sind oder Flüchtlinge. Wieso konnte ich mich über Home Schooling aufregen? Das ist so egoistisch von mir. Eigentlich sollten wir alle helfen. Wir sitzen hier zuhause und lassen es uns gut gehen, während Millionen Menschen sterben. In dieser Sekunde trauern bestimmt tausend Angehörige.





Montag, 06.04.2020

Die Laune in unserer Familie ist glücklicherweise meistens gut. Vor allem beim Essen, ich weiß nicht wieso. Ich bin mit Joanna Federball spielen gegangen, generell sind wir gezwungen, mehr mit den Familienmitgliedern zu unternehmen und das mag ich ganz gern an dem Kontaktverbot. Aber ich vermisse trotzdem meine Freunde und mein Schwimmtraining, die vielen Gesichter in der Schule und das Orchester. Mir ist nicht direkt langweilig, ich tue einfach nur nichts. Jetzt sind Ferien!





Donnertag, 09.04.2020

Irgendwie pendle ich mich erst jetzt so richtig in diese Phase ein. Ich habe einen Tagesrhythmus von Frühstücken, DSA-Spielen, Mittagessen, Rausgehen, DSA-Spielen, Abendessen, mit der Familie quatschen und Spiele spielen. Ich habe Rückenschmerzen vom ganzen Sitzen (teilweise leider auch vor dem Computer, aber ich muss ja skypen). Es gibt schon noch manchmal Streitereien, aber wir alle gewöhnen uns langsam an die Situation. Ich will gar nicht, dass die Schule wieder losgeht, weil ich alleine bei dem Gedanken an den scheußlichen Stress, den wir haben werden, ein ganz mieses Gefühl kriege. Ich weiß nicht recht, ob ich diese Situation jetzt mag oder nicht. Es ist zumindest zur Abwechslung mal bequem, nicht jeden Tag mehrere Termine zu haben, aber manchmal fehlt mir auch mein strukturierter Tagesplan.

Ab heute darf man sich immerhin wieder in die Sonne und auf Bänke setzen, das durfte man vorher gar nicht! Krass, oder??





Samstag, 11.04.2020

Ein ganzes Buch habe ich heute gelesen!

„Zeiten Zauber“ liest sich so schnell und ich muss sagen, es ist ein verdammt gutes Buch, auf jeden Fall eines meiner Lieblingsbücher! So gegen Mittag habe ich angefangen zu lesen, viele Pausen gemacht, jetzt so um 11 nachts war ich fertig.

Eigentlich wären wir morgen um halb fünf aufgestanden, um in die Osternacht zu gehen, Jana und ich wollten beide am gemeinsamen Frühstück mitmachen und mit unzähligen Schokoeiern das Ende der Fastenzeit feiern. Wir haben das zusammen schwärmerisch geplant, jetzt wird daraus wohl nichts werden... Joanna hat ja morgen Geburtstag, sie war so froh, an Ostern Geburtstag zu feiern bei Oma und Opa und mit unseren Cousinen und Cousins Eier zu suchen und traditionell für die ganze Familie Osternester in deren Garten zu bauen. Das ist einfach Kult bei uns. Ja, und jetzt werden wir hier zu Hause sitzen, uns gegenseitig beglückwünschen, ein jämmerliches Ostern, wenn nicht sogar das traurigste meines Lebens. Aber gut, ich will es meiner Schwester so schön wie möglich machen, ihr zeigen, dass es auch so schön sein kann. Wir kriegen das schon irgendwie hin.

Tja, liebes Tagebuch, da bist du auch schon voll... Na ja , es ist ja auch ziemlich viel passiert.





Sonntag, 12.04.2020

Liebes neues Tagebuch!

Oder mit anderen Worten, Numero 6!

Und dann wirst du auch noch an Ostern eingeweiht! Das ist doch ein cooles Datum, findest du nicht? Dabei war das Ostern heute ganz anders als sonst: wir haben Joanna wachgesungen mit deutschem und spanischem Happy Birthday. Dann kam Geschenke auspacken und Kuchen essen. Das zumindest war wie immer wenn einer von uns Geburtstag hat. Dann war der Tag erstmal wie jeder andere in der Corona-Zeit. Dann kam Joannas Freundin Annalena mit ihrer Familie an unseren Balkon und hat Joanna ein Geschenk gegeben. Und wir haben ihnen vom Balkon aus Kuchen geschenkt. Ihr Geschenk war, wie sich herausstellte, ein Rätsel für einen Schatz. Endlich mal Abwechslung! Obwohl es nur eine kleine Schatzsuche war, waren wir alle hellauf begeistert! Der Schatz war dann am Waldkindergarten vergraben. Dort haben wir uns dann alle (mit Abstand versteht sich) ins Gras gesetzt und geplaudert. Später hat Mama Eier bei uns im Haus versteckt, da das Kult ist, mussten wir das natürlich machen. Auf jeden Fall war es der beste Ausgangssperren-Tag der letzten Wochen und um einiges besser als ich gedacht hatte. Ich habe mir den Bauch mit Süßigkeiten vollgeschlagen, morgen gehen wir Eis essen.





Montag, 13.04.2020

Ich fühle mich eingeengt und alleine. So gerne würde ich einfach jemanden anrufen, ob er mit mir spazieren geht, und dann könnte ich mir all den Schmerz von der Seele reden und mich einfach unterhalten, nur um das wunderbare Gefühl zu spüren, dass meine Freundinnen IMMER da sind, auch wenn wir uns nicht sehen dürfen. Wann ist diese Kontaktsperre endlich vorbei? Leute, ALLE meine Freunde, ich wünschte, ihr wüsstet, wie sehr ihr mir alle fehlt! Ich bin so allein, wie noch nie in meinem Leben, da hilft das Lesen auch nicht richtig. Ich vermisse euch mehr als alles andere auf der Welt! Ich liebe euch so sehr, das wird mir besonders in dieser Zeit wieder klar.





Samstag, 18.04.2020

Ab Montag darf man sich wieder mit einer Person draußen treffen!!! Das ist so toll!!! Wir werden das gleich feiern, meine Mama lädt uns zu einem Riesen-Eisbecher ein. :-)





Donnerstag, 30.04.2020

Ich habe seit fast zwei Wochen nicht mehr geschrieben. Dabei ist so einiges passiert: Erst einmal darf man wieder zu zweit raus! Puh, es war so schön, als ich ein paar von meinen Freunden endlich wieder gesehen habe. Als ich Anna zufällig getroffen habe, habe ich mich mega gefreut, weil ich sie sehr vermisst habe. Wir konnten uns endlich mal wieder unterhalten. Ich habe die Zeit echt gut ausgenutzt, habe draußen in der Sonne „Splendor“ gespielt, bin mit Mia mit Inlinern in die Stadt gefahren (und dabei voll aufs Knie geflogen), war Eis essen, habe mit meinem Vater einen neuen Federball-Rekord aufgestellt (114!), und habe eine Radtour mit meiner Familie gemacht.

Mit Schulsachen komme ich jetzt auch sehr gut zurecht, eigentlich finde ich Home Schooling gar nicht schlecht.

Ab diesem Montag muss man mit Maske einkaufen gehen. Wir, oder eher meine Mutter, hat jedem von uns drei Masken genäht. Man sieht immer öfter auch Menschen mit Maske auf der Straße herumlaufen. Ich finde ja, dass das richtig albern aussieht, aber gut. Ich habe mich gut an die Situation gewöhnt, gehe oft spazieren und jeden 2. Tag mit Jana joggen. Dienstag sind wir einfach 15 km gejoggt!! Ich bin so froh, dass wir das machen, weil ich schon gemerkt habe, dass meine Kondition schlechter geworden ist. Dieses Problem ist jetzt aus der Welt.

Ich war heute zum ersten Mal seit der Maskenpflicht im Supermarkt. Es sieht so witzig aus, tausende unterschiedliche Masken, es ist so absurd! Aber es hat sich auch ziemlich komisch angefühlt, mit diesem DING in den Supermarkt zu gehen.

Und ja, meine Einträge hier werden in der Schulgemeinschaft veröffentlicht werden, der Gedanke ist schon krass! :-)





Sonntag, 03.05.2020

Manchmal frage ich mich, wann das Ganze endlich aufhören wird. Ich meine, bis jetzt haben etwa 160.000 Menschen Corona, das ist ein Witz für ganz Deutschland. Wenn es 70% der Bevölkerung bekommen muss, damit die Zahlen nicht weiter ansteigen, WIE lange soll das dann bitte noch so weitergehen?! 10 Jahre? Das geht doch nicht. Dann wird ja alles komplett umgekrempelt werden. Natürlich glaube ich nicht, dass es noch ewig so weitergeht, aber wenn man sich das mal vorstellt... Und was dann mit der Wirtschaft und den Menschen passieren wird... AUA! Es ist ja jetzt schon ziemlich schlimm mit der Wirtschaftskrise, vor allem in ärmeren Ländern. Hoffentlich finden die Ärzte bald einen Impfstoff, weil so langsam würde ich auch gerne in mein normales Leben zurückkehren. Ich habe in dieser Zeit fast nichts Produktives getan, und zurückblickend kommt die Zeit mir nie wie zwei Monate vor. Ich hoffe, alles normalisiert sich bald wieder, weil ich dann endlich wieder viele Freunde gleichzeitig treffen, zum Schwimmtraining und ins Orchester gehen kann und wir endlich mal DSA ohne Skype, sondern nebeneinander sitzend spielen werden.





Mittwoch, 13.05.2020
Hallo! Jana und ich machen viele Challenges in Corona-Zeiten, damit uns nicht langweilig wird und wir haben sehr viel Spaß ;-). Ab übernächster Woche geht Joanna ja auch wieder in die Schule und wir siebten Klassen dürfen erst nach den Pfingstferien wieder hin. Irgendwie ist es seltsam, dass es demnächst wieder alles normal werden soll und irgendwie glaube ich auch nicht, dass es wieder ganz normal werden wird. Die Klassen werden geteilt und man muss mit Mundschutz in die Schule und sich beim Eingang die Hände desinfizieren. Nun gut, bis zu den Pfingstferien ist es schon noch eine Weile und bis dahin kann noch viel passieren. Aber was soll's. Ich bin froh, dass alles so langsam wieder hochgefahren wird und dass ich wieder meine Freunde in der Schule sehen kann.




(Bild: Familie Artavia Schuster)

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